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06.03.2010

Ja zu Stipendien, doch Breitenförderung muss Vorrang haben

Das Deutsche Studentenwerk (DSW) sagt zwar ja zur Initiative der Bundesregierung, deutlich mehr Studierende mit Stipendien f√∂rdern zu wollen, h√§lt aber den Ausbau der Breitenf√∂rderung f√ľr vorrangig. DSW-Generalsekret√§r Achim Meyer auf der Heyde: ‚ÄěWenn das nationale Stipendienprogramm nicht anschl√§gt, sollte der Bund das Geld besser in die Erh√∂hung der BAf√∂G-Freibetr√§ge investieren. Nur dar√ľber werden Studierende aus Familien mit geringerem Einkommen zu einem Studium motiviert.‚Äú

 

Das geplante nationale Stipendienprogramm soll zur einen Hälfte von Bund und Ländern, zur anderen Hälfte von Wirtschaft und Privatpersonen finanziert werden. Der Anteil von Studierenden, die ein Stipendium erhalten, soll in Abhängigkeit von ihren Leistungen von heute 2% auf 10% gesteigert werden. Das Stipendium soll 300 Euro im Monat betragen.

 

‚ÄěWenn bei der Auswahl der Studierenden keine sozialen Kriterien verbindlich festgeschrieben werden, wird sich die soziale Schieflage bei den Stipendiaten weiter fortschreiben‚Äú, bef√ľrchtet Meyer auf der Heyde. Schon jetzt kommen 72% der Stipendiaten aus Familien hoher oder gehobener sozialer Herkunft, also aus einkommensstarken und hochschulnahen Schichten.

 

Zum Gesetzentwurf der Bundesregierung f√ľr das nationale Stidpendienprogramm macht das Deutsche Studentenwerk Verbesserungs- bzw. √Ąnderungsvorschl√§ge:

 

  • Soziale Kriterien verbindlich vorschreiben: Im Gesetzentwurf ist vorgesehen, dass bisher unterrepr√§sentierte Gruppen, etwas Studierende aus Arbeiterfamilien oder Studierende mit Migrationshintergrund, ber√ľcksichtigt werden sollen. ‚ÄěSollen‚Äú ist zu unverbindlich; diese Gruppen m√ľssen ber√ľcksichtigt werden, vielleicht auch √ľber eine Quotierungsvorgabe.
  • Finanzierung ungekl√§rt: Es bleibt offen, ob es den Hochschulen in strukturschwachen Regionen oder mit wenig Wirtschaftsbezug gelingt, in ausreichendem Mittel Stipendien bei der Wirtschaft einzuwerben. F√ľr diesen Fall ist im Gesetzentwurf vorgesehen, dass der Bund Ausgleichszahlungen leistet. Das sieht das Deutsche Studentenwerk kritisch, denn solche Bundeszahlungen k√∂nnten angesichts der kritischen Haushaltslage zu Lasten der Breitenf√∂rderung bzw. des BAf√∂G gehen.
  • Keine Studiengeb√ľhren-Gelder: F√ľr den Finanzierungsanteil von Bund und L√§ndern d√ľrfen keine Studiengeb√ľhren-Gelder eingesetzt werden. Dies sieht der Gesetzentwurf grunds√§tzlich vor. Aus Sicht des Deutschen Studentenwerks w√§re dies unzul√§ssig und keine zweckgem√§√üe Verwendung von Studiengeb√ľhren.

 

Laut aktueller Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks erhalten in Deutschland lediglich 2% der Studierenden ein Stipendium. Es beträgt 328 Euro im Monat, das ist noch nicht einmal die Hälfte des durchschnittlichen studentischen Budgets von 770 Euro im Monat.

 

Die elf von der Bundesregierung unterst√ľtzten Begabtenf√∂rderungswerke erreichen mit ihren Bundesmitteln ungef√§hr ein Prozent der Studierenden; andere Stipendiengeber wie etwa die 1.750 Stiftungen f√∂rdern mit privaten Mitteln das andere Prozent.